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State of Matter, 2012 / Foto: Joerg Burger

2012
KRÜGER & PARDELLER
State of Matter

Rauminstallation
Ehemalige Wasserbehälter, Eisen, Aluminium, Holz, LED
Podium: 460 x 1300 cm, Behälter: je 190 x 100 x 100 cm
Ausführung 2012
Raum: Dachboden

State of Matter bedeutet auf Deutsch Aggregatzustand, die Zustandsbeschreibung von Stoffen als gasförmig, flüssig oder fest. Der Titel gibt somit einen ersten Hinweis auf Fragen der Materialität, und genau damit spielt diese Installation. Denn die in den geneigten Stahltanks stehende reflektierende Flüssigkeit zeigt sich unter anderem Lichteinfall als erstarrtes Material, als fester Aluminiumguss, der bei genauerer Betrachtung eine Holzmaserung aufweist, und somit auch die metallische Erscheinung wieder in Frage stellt; ein surreales Spiel mit Stofflichkeit, ihrer Wahrnehmung und Bedeutung. Denn Matter heißt auf Englisch eben auch Bedeutung, und die wechselt nicht nur durch eine Änderung der Form, sondern auch durch eine Änderung der Materialität, bzw. einer Verschiebung unserer Wahrnehmung.


Doch auch der gesamte Zustand (State) der alten vorgefundenen Stahltanks hat sich durch den künstlerischen Eingriff verändert. Die seit Jahrzehnten abgestellten, komplett verrosteten und ihrer Funktion längst enthobenen Relikte wurden restauriert, durch ihre neue Platzierung und Bearbeitung hat sich ihre Bedeutung und Zuschreibung verändert. Die ehemaligen Funktionsgegenstände, die inzwischen zum Ballast geworden waren, wandelten sich durch den künstlerischen Prozess, veränderten ihre Bedeutung und ihren Wert, um einen anderen, neuen Aggregatzustand anzunehmen.


Die erstarrte Flüssigkeit verweist auf die vormalige Verwendung der Tanks als Wasserspeicher. Die bewusste Neigung der Behälter leitet sich ab vom großen Gewicht und Alter der Objekte, als wären sie seit ihrer ehemaligen Deplatzierung im Boden eingesunken. Auch der ortsspezifische Holzbalken, der die darunterliegende Decke trägt, scheint sich zu neigen und im Untergrund zu versinken, er ist ebenfalls in die Installation integriert. Es ist als stünde man vor Relikten längst vergangener Zeiten, die unter bestimmten Blickwinkeln überraschend magische Momente bereithalten, ein Aufblitzen von Zaubern und Geheimnissen.


Die beiden Tanks sind durch ihre ehemaligen Zu- und Abläufe miteinander verbunden. Ein teils unterirdisch verlegtes Rohrsystem verbindet sie zu kommunizierenden Gefäßen. Das ursprüngliche Wasser ist durch geronnenes Metall und Licht ersetzt, die einen gemeinsamen Kreislauf bilden, wodurch die Verhältnisse des einen Gefäßes sich scheinbar auf die Verhältnisse im anderen auswirken – eine wechselseitige Beziehung, wie sie auch zwischen zwei einander verbundenen Menschen bestehen kann.


Der Boden aus grau lackierten Brettern hält die einzelnen Elemente zusammen, verbindet sie zu einer Installation, in der sie wie Akteure auf einer Bühne stehen um ein gemeinsames Stück aufzuführen. Ein Zweipersonenstück eines gemeinsamen Lebens. Die Fortsetzung des Theaterbodens in Form von Aluminiumgüssen innerhalb der schräggestellten Tanks und ihre Nivellierung entspricht dem Verhalten von Flüssigkeiten, sich unter Einfluss der Schwerkraft horizontal auszurichten. Dass das Aluminium jedoch zugleich die Struktur der Holzmaserung der Bretter trägt, erzeugt eine überraschende Unsicherheit. Natürliche Phänomene und inszenierte, surreale Momente treffen aufeinander.


Je nach Lichteinfall, der durch die in den Rohren eingeschobenen LED-Leuchten entsteht, ergibt sich entweder ein matter, festkörperlicher Eindruck des Materials, oder nach einem Wechsel der Betrachterposition ein glänzender Anblick flirrender, quecksilbriger Flüssigkeit. Die in ihrer Ästhetik und Materialität an sich sehr reduzierte Installation, erwacht erst durch eine Veränderung des Standpunktes zu magischem Leben.



(Text von KRÜGER & PARDELLER aus dem Projektdossier, Archiv Kunstraum Buchberg)


Erstpräsentation im Rahmen des Buchberger Sommers 2012 (Ausstellung und Fest 70.40.30)



www.kruegerpardeller.com

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