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Ansicht der Rauminstallation cinéma am Dachboden / Foto: Hannes Böck

2015
DORIT MARGREITER
cinéma

Mobile und Videoinstallation
Mobile aus Aluminium, Betonsockel, Projektionsleinwand
Sockel: 45 x 45 x 90 cm, Leinwand: 410 x 230 cm
Film: HD, Farbe, ohne Ton, 9 min
Film 2014, Installation 2015
Raum: Dachboden


Die für den Kunstraum Buchberg von DORIT MARGREITER entwickelte, permanente Rauminstallation cinéma etabliert einen Kinoraum für Schloss Buchberg am Kamp. Bestehend aus einem Mobile, das sich aus den Buchstaben des Wortes „cinéma“ zusammensetzt, einem Betonsockel und einer um 90° gedrehten Projektionsleinwand wird ein Raum markiert, der sich installativ, funktional und skulptural präsentiert.


„Eingeladen, für die seit den 1980er-Jahren von Gertraud und Dieter Bogner aufgebaute Sammlung ortsspezifischer künstlerischer Interventionen und Installationen eine Arbeit zu entwickeln, entschied sich DORIT MARGREITER, die Bedingungen des Ortes, die Verschränkung von Bauwerk und künstlerischen Werken zum Ausgangspunkt eines Films zu machen. Parallel definierte sie als ein weiteres Element der Arbeit einen Platz auf dem Dachboden, der, die innere Logik der Umgebung weiterführend, als Kino für Filme anderer dient. [...] Der von MARGREITER ausgewählte Dachboden [stellt] eine im ersten Augenblick nicht klar abgegrenzte, schwer lesbare Fläche dar, die ihre Form statt aus dem rechteckigen Grundriss aus den vielfältigen, räumlichen Beziehungen zwischen Balken, Boden, Projektionswand, Podest, Kaminschacht und Speicherplatz ableitet. In dieser Umgebung der Zwischenräume hängt raumgreifend das Mobile cinéma (2014) gleich einem Vorspann für das Kino, das ebenfalls als eine Markierung fungiert und das Spiel der ausgesparten Flächen aufgreifend auf seine Grundkomponenten Lichtquelle (Projektor) und Reflektor (weiße Wand) reduziert ist.


Im klassischen Sinne entzieht sich cinéma der Lesbarkeit. Das freischwebende Objekt ist nicht auf einen Blick zu fassen, es erfordert miteinzubeziehen, was durch die Rahmung ausgespart ist, zu ergänzen, Sehgewohnheiten zu lockern und die Idee von nur temporär oder partiell fixierten Architekturen in die Erfahrung mitaufzunehmen. So mitten in den Raum platziert und, anders als die Plastiken von Alexander Calder oder auch Moholy-Nagy, tiefer in Korrespondenz mit dem Boden gehängt, stellt sich das Mobile zwar als Kunstwerk den Betrachter_innen direkt in den Weg − wie die Projektionswand auf der gegenüberliegenden Seite ebenfalls dem Filmbild entgegentritt −, es entwirft aber aufgrund seiner Vielgliedrigkeit eine andere Durchlässigkeit und Beziehungsstruktur zwischen Umraum, Bild- und Betrachterraum. Wobei die in MARGREITERS künstlerischer Praxis adressierten Raumfragen, die Beziehung zwischen gebautem, projiziertem und modellhaftem Raum, stets auch, wie an cinéma exemplarisch wird, durchzogen sind von Text und zwar in doppelter Hinsicht: sowohl ausgehend von einem grundlegenden Interesse an Grafik, Design und Schriftgestaltung als auch einer tiefen Verankerung in einem diskurszugewandten Verständnis von Ausstellen, das die räumliche Anordnung miteinschließt. Insofern wird ein Zugang zur Architektur wirksam, der Räume auch als ,geschriebene´ Strukturen gleich Notationen interpretiert.”


(Auszüge aus einem Text von Rike Frank in Dorit Margreiter. cinéma, mumok, Verlag der Buchhandlung Walther König, Wien/Köln, 2019)


www.doritmargreiter.net

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